Liebes Team vom Tierheim Gießen,
Ronja lebt jetzt seit 1,5 Jahren bei uns – Zeit für ein neues Update.
Wir haben Ronja genetisch testen lassen. Sie ist trotz ihres relativ langen Fells bis zur Generation der Urgroßeltern zu 100 % Malinois, gehört also zu den selten auftretenden “Plüsch-Malis” und ist keinesfalls ein Mischling.
Im ersten Jahr hatten wir bereits in verschiedenen Situationen den Verdacht, aber kurz nach unserem letzten Update im Februar waren alle Zweifel ausgeräumt, dass Ronja leider als junger Hund ein Schutzhunde-Training absolviert haben muss. Sie hat verschiedene Trigger, die dazu führen, dass bei ihr das alte Verhalten ausgelöst wird. Ganz deutlich wurde es auf dem Hundeplatz, als sie einen Teppichrest, mit dem eigentlich ein Suchspiel aufgebaut werden sollte, mit einer Beißmatte verwechselt und unsere damalige Trainerin angegriffen hat. Glücklicherweise ist nichts passiert, da sie über eine Leine gesichert war, aber Ronja hat sich erst wieder beruhigt, als die Trainerin den eingezäunten Bereich verlassen hatte und das, obwohl sie die Person bereits seit einem Jahr kannte und vorher nie ein Problem mit ihr hatte.
Ihre weiteren Trigger sind Männer, die plötzlich einen Raum betreten, Männer mit langen Stangen oder großen Gegenständen, z.B. Körben in der Hand. Die Gegenstände und Situationen sorgen dafür, dass das aggressive Verhalten abgerufen wird und sie dieses auch gegenüber bekannten Personen zeigt. In einem Fall hat sie einen Gast, der mit einem Korb in der Hand unser Haus betreten hat, in den Arm gebissen. Glücklicherweise hatte er einen weiten Ärmel an, so dass es nur zu einer minimalen Verletzung der Haut gekommen ist. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er nur ein T-Shirt angehabt hätte.
Seit wir ihre Trigger kennen und wissen, dass sie nicht nur gegenüber anderen Hunden problematisches Verhalten zeigt, sichern wir sie noch besser ab und haben auch gelernt, wie wir zumindest einen Teil der Situationen entschärfen können. Ganz überprägen lässt sich dieses früh erlernte Verhalten allerdings wahrscheinlich kaum noch. Sobald sie wieder nachdenken kann, gelingt es ihr auch die Personen zu erkennen und das aggressive Verhalten abzubrechen, aber manche Situationen lösen Schreckmomente bei ihr aus, auf die dann leider dieses antrainierte Verhalten folgt.
Das ist sehr schade, da sie mit uns weiterhin wahnsinnig lieb und kuschelig ist. Auch beim Tierarzt und in der Physiotherapie benimmt sie sich stets vorbildlich. Wir haben mittels regelmäßiger Einheiten auf dem Wasserlaufband und weiteren Trainings erreicht, dass sie aktuell praktisch gar keine Einschränkungen durch die beidseitige Knie-Arthrose hat. Auch sonst ist sie fit und gesund. Wir hatten versucht ihr Zecken-Prophylaxe als Tablette zu verabreichen, da sie im Frühjahr sehr viele Zecken gehabt hat. Leider verträgt sie das nicht und hat darauf stets mit mehrtägigem Durchfall reagiert, so dass wir nun wieder zu anderen Methoden greifen müssen, um sie vor den lästigen Krabbeltieren zu schützen.
Im Frühjahr haben wir uns entschieden Trainerin und Trainings-Methode zu wechseln. Ronja hatte einen guten Start mit Natural Dogmanship, wir haben von der Trainerin viel über Hundeverhalten und Wahrnehmung gelernt. Allerdings war die Methode für uns schwierig in den Alltag zu integrieren und wir sind mit unseren Alltagsproblemen nicht recht weiter gekommen. Daher trainieren wir nun mit positiver Verstärkung. Ronja ist bei allen Trainingsformen eifrig dabei. Allerdings hat sie eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und signalisiert manchmal deutlich, dass sie nicht mehr in der Lage ist weitere Übungen auszuführen. Nach einer kurzen Pause kann es dann weiter gehen. In den letzten Monaten konnten wir die Aufregung beim Spazierengehen zumindest auf den bekannten Strecken rund um unser Zuhause deutlich reduzieren. Wir können an einigen Höfen mit Hunden gut vorbeigehen und es ist kein ständiges Tauziehen mehr. Wir haben verschiedene Spiele in die Spaziergänge integriert, was dafür sorgt, dass Ronja in Erwartung der nächsten Aktivität mit ihrer Aufmerksamkeit mehr bei uns ist. Die nächste Aufgabe besteht darin, das Erreichte auf weitere Strecken zu übertragen und weiter ohne große Aufregung die Welt zu erkunden. Weiterhin haben wir die Arbeit mit dem Boden-Target begonnen, was Ronja sehr gut macht.
Ronja signalisiert ganz klar, dass sie am liebsten zu Hause ist. Für uns ist das nicht einfach, da wir ja eigentlich wieder einen Hund haben wollten, den wir überall mitnehmen und ständig dabei haben können. In unserem Haus fühlt Ronja sich sicher und kann hier wunderbar entspannen. Daher lassen wir sie jetzt öfter mal für einige Stunden zu Hause, auch wenn wir sie gerne dabei hätten. Wenn wir nach Hause kommen, krabbelt sie meist verschlafen aus dem Bett, Aufregung hat sie hier nicht, auch nicht, wenn sie alleine ist. Trotzdem versuchen wir aber eben auch sie an andere Orte und Situationen zu gewöhnen. Mein Mann nimmt sie öfter mit an die Arbeit und das klappt inzwischen auch sehr gut.
Wir haben den Eindruck, dass Ronja schon sehr viel Stress in ihrem Leben hatte und ihre Vorstellung von einem perfekten Tag ist, dass wir beide den ganzen Tag hier sind, niemand uns besucht, wir zwischendurch mal auf dem Hof eine Trainings-Einheit machen, es einen schönen Kauknochen gibt und wir ein paar entspannte Spaziergänge zur gewohnten Wiese gehen. Am liebsten jeden Tag das selbe und keine Aufregungen. Wir versuchen ihr das so oft es geht mittels Homeoffice zu bieten, aber ein bisschen muss sie sich halt auch auf unser Leben einstellen…
Ronja ist und bleibt eine Herausforderung. Besonders schwierig ist für uns, dass wir bisher niemanden gefunden haben, der sie uns mal abnehmen kann, wenn wir sie nicht mitnehmen können. Das kommt häufiger vor als bei unseren früheren Hunden, eben weil sie in so vielen Situationen weiterhin überfordert ist, wo Hunde erlaubt sind und wir sonst unsere Vierbeiner immer mitgenommen haben. Bisher haben meine Eltern uns unterstützt, aber das funktioniert leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr. Mit der Hundepension haben wir besprochen, dass wir nach der Ferienzeit anfangen in ganz kleinen Einheiten zu üben, sie dort zu lassen. Wir wissen aber noch nicht, ob das jemals funktionieren kann, ohne dass sie großen Stress hat. Über Hinweise auf Personen, die sich vorstellen können Ronja mal tageweise zu betreuen, würden wir uns sehr freuen. Wir haben uns schon durch unzählige Internetseiten und Portale gearbeitet, Leute angerufen, verschiedene Hundetrainer gefragt usw. Aber bisher traut sich das leider niemand zu, dabei ist Ronja doch wirklich nicht nur so wahnsinnig hübsch, sondern auch eine schlaue und verschmuste Hundemaus.
Sie hat sich auf jeden Fall schon lange in unser Herz gekuschelt und wir versuchen ihr trotz aller Hindernisse ein möglichst entspanntes Leben zu bieten.
Es grüßen
Ronja Langnase und Hundeeltern

