Liebes Tierheim-Team,
es ist mal wieder Zeit für Post – mehr als ein Jahr nach unserer letzten Nachricht und mehr als zwei Jahre, nachdem wir Jimmy und Tilda Ende Oktober 2023 als Kätzchen zu uns nach Hause geholt haben.
Die beiden sind nach wie vor super drauf und haben uns vier Menschen fest im Griff, respektive in den Pfoten. Sie sind weiterhin die dicksten Kumpels, die aneinander gekuschelt auf dem Sofa chillen, sich gegenseitig putzen, auch mal ordentlich raufen und es gemeinsam (aufgeplustert, aber nie übergriffig) mit dem alten Nachbarkater aufnehmen, sollte der es wagen, sich in unseren Garten (oder gar ins Haus) zu verirren. Wir haben sehr viel Spaß mit ihnen.
Jimmy ist rundum einfach nur eine Wucht zum Knuddeln. Wenn er nicht gerade draußen herumstrolcht oder schläft, ist er am liebsten überall mit dabei und schnurrt, sobald man ihn nur anschaut. Er lässt sich weiterhin gern in allen erdenklichen Lagen herumtragen, manchmal stellt er sich sogar auf die Hinterbeine, wenn er auf den Arm genommen werden mag. In Videokonferenzen im Homeoffice ist unser Sonnenscheinchen längst ein kleiner Star, während er in natura hausfremde Zweibeiner nur wohlausgewählt an sich heranlässt.
Im Sommer und Herbst hat der Kater uns allerdings ziemliche Sorgen bereitet. In seinem linken Auge hatte sich ein brauner Fleck gebildet, wir befürchteten das Schlimmste (Man sollte ja niemals im Internet nach Krankheiten recherchieren…). Unser Tierarzt beruhigte uns zunächst; es müsse nicht gleich ein Irismelanom sein, wahrscheinlicher sei eine harmlose Pigmentveränderung. Als der Fleck aber größer wurde und noch ein weiterer hinzukam, riet uns die Praxis, das von Spezialisten abklären zu lassen. Im November waren wir mit Jimmy in der Tieraugenklinik, gar nicht weit entfernt vom Tierheim Gießen. Wir mussten uns schwer zusammenreißen, um der untersuchenden Ärztin nicht um den Hals zu fallen, als sie Entwarnung gab, wenigstens für den Moment. Wir müssen die Flecken beobachten und regelmäßig mit Jimmy zu Kontrolluntersuchungen. Zum Glück ist er im Umgang mit tierärztlichem Personal erstaunlich tiefenentspannt. Ganz im Gegensatz zu Tilda.
Sie ist in unserer Tierarztpraxis schon länger berüchtigt und wird nur mit dicken Schutzhandschuhen angefasst. Beim jüngsten Impftermin hat sie den Bogen jedoch überspannt. Als die Tierarzthelferin sie aus der Transportbox hievte, verfiel die Katze zunächst in Schockstarre – um dann auf der Waage komplett zu explodieren. Sie kratzte und biss um sich, konnte sich nach wildem Wehren schließlich losreißen und sprang panisch durch den Raum, wo sie alles um- und herunterwarf, was da so rumstand. Irgendwann kauerte sie sich unter einem Stuhl in die hinterste Ecke und knurrte und fauchte wie ein Puma. Die inzwischen zwei Tierärzte und die Helferin waren ebenfalls fassungslos, wie ein so zierliches Tierchen solche Töne von sich geben kann. Die Ärmste hatte einfach furchtbare Angst. Das Ende des Klagelieds: Tilda wurde mit Pheromonen benebelt und mit einer List in einen sogenannten Quetschkäfig bugsiert und darin geimpft. Anschließend legte uns der Tierarzt nahe, die Katze vor dem nächsten Besuch zuhause mit einem leichten Beruhigungsmittel zu sedieren. Bei den bisherigen Spitzenquerschlägern der Praxis – zwei stattliche Kater – funktioniere das ganz gut. Wobei die „nicht ganz so schlimm“ seien wie unser schwarzgraues Teufelchen. Wir haben die Tabletten trotzdem erstmal nicht mitgenommen.
Tatsächlich wirft diese Geschichte auch ein völlig falsches Bild auf Tilda, wie wir sie erleben. Sie ist eine so niedliche und witzige Katze, noch nie war sie uns gegenüber aggressiv. Wenn ihr etwas nicht passt, guckt sie bloß empört und haut höchstens mal mit den Pfötchen nach uns, fährt dabei aber so gut wie nie die Krallen aus. Sie ist eine Meisterin lustiger Laute und liebt es, ausgiebig gekrault zu werden – hasst es jedoch, wenn man sie hochnimmt (auch hier ist sie das Gegenteil von Jimmy). Und wenn sie einmal angefangen hat (laut!) zu schnurren, hört sie so schnell nicht wieder damit auf. Sie hat einige liebenswerte (teils auch ziemlich skurrile) Schrullen und Macken und bringt uns oft zum Lachen. Schade eigentlich, dass andere Menschen sie praktisch nie zu Gesicht kriegen. Wenn Besuch kommt, nimmt Tilda Reißaus und versteckt sich, sobald es an der Haustür klingelt.
Mit diesem Brief – und ein paar Fotos – möchten wir das Jahr beenden und einen guten Rutsch und Start in 2026 wünschen. Danke für Eure tolle Arbeit, macht weiter so!
Herzliche Grüße von den Kumars

