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Der TSV Gießen informiert

„die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran ermessen, wie sie die Tiere behandelt.“ Mahatma Gandhi

Unser Leitgedanke im Tierschutz ist, dass wir uns für jedes Tier ein artgerechtes Leben wünschen, und das gilt natürlich auch für die Nutztiere, die in der Wirtschaft und Forschung gehalten werden.
Es ist bemerkenswert, dass selbst die Menschen, die sich als tierlieb bezeichnet oft unreflektiert einkaufen.
Viele fühlen sich vielleicht überfordert und ohnmächtig zu handeln. Aber wir Verbraucher haben es in der Hand, die Bedingungen Schritt für Schritt zu verbessern.
Wir können sicherlich nicht die Welt retten aber wir können einen Beitrag dazu leisten, dass weniger Tiere leiden müssen. Der Markt regelt das Angebot!
Es ist eine Illusion zu glauben, dass man ganz ohne Tierleid, tierische Produkte zu sich nehmen kann. Damit wir Milchprodukte essen können, müssen z.B. Kühe jedes Jahr ein Kalb gebären, das nach der Geburt sofort von der Mutter weggenommen wird. Auch für Bioeier von Hochleistungshennen müssen die  männliche Küken sterben, weil sie sich nicht für die Mast eignen. Auch wer nicht komplett vegan leben möchte oder kann, der kann mit seinem Konsumverhalten einen kleinen Beitrag zu weniger Tierleid leisten
Wir können also trotzdem können wir viele „kleine Welten“ retten!
Deshalb wollen wir Informationen und Hilfestellungen den Menschen geben , die aus ethischen Gründen, achtsamer beim Einkauf tierischer Produkte sein wollen, aber auch Denjenigen, deren gestecktes Ziel ist, frei von tierischen Produkten zu leben.

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7.6.2016
Es kann so einfach sein!

Geht es Ihnen wir mir?
Immer, wenn ich Putzmittel oder Körperpflegeprodukte kaufen musste, befand ich mich in einem Dilemma. Ich wusste, wenn ich die Produkte kaufe, unterstütze ich Firmen, die für diese Produkte Tierversuche durchführen. Als Tierfreundin eigentlich ein "No Go" für mich.
Aber welche Alternative hätte ich gehabt? Sollte ich zukünftig meine Wohnung mit bloßem Wasser putzen? Wir bekäme ich denn das schmutzige Geschirr ohne Spülmittel sauber? Und auf Deo verzichten? - Nein, das kam nun auch nicht in Frage. Außerdem hatte ich immer die Vorstellung, tierversuchsfreie Produkte seien überdimensional teuer. Und so kaufte ich ein und mein schlechtes Gewissen kaufte mit.
Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich ein "Aha-Erlebnis" hatte und sich mein schlechtes Gewissen in ein gutes Gewissen beim Kauf wandelte.
Ich stand mal wieder vor dem Regal mit Waschmittel und Weichspüler und überlegte, welche Marke wohl das kleinere Übel wäre. Beim Durchblicken fiel mein Blick auf eine rosa Plastikverpackung und auf diesem auf ein kleines, in der Ecke geschriebenes Wort „vegan“.
Vegan bedeutet, dass das Produkt weder tierische Produkte enthält und auch keine Tierversuche für dieses gemacht wurden. Mir war klar, heute nehme ich das Produkt.
Zuhause angekommen, googelte ich den Hersteller Frosch. Auf der Homepage fand ich dann die Aussage, dass die Produkte von Frosch frei von tierischen Inhaltsstoffen ist. Auf einer weiteren Seite fand ich die Antwort von Frosch auf eine Produktanfrage von Veganern: „[...] von Beginn an war und ist es uns ein großes Anliegen, dass in unseren Frosch-Produkten keine tierischen Inhaltsstoffe enthalten sind und selbstverständlich auch keine Tierversuche bei der Entwicklung der Produkte durchgeführt werden. Unser Unternehmen vergibt auch keine derartigen Aufträge an Dritte.“
Ab da an war klar – das wird meine Marke! Die Produkte bekomme ich in allen Supermärkten. Sie sind weder teuer noch haben irgendein anderes Manko. Sie sind einfach ideal für meine Wünsche.
Ich machte mir dann Gedanken, was denn wohl mit Shampoo, Duschgel und anderen Körperpflegeprodukte wäre. Ich fragte mich, ob ich diese auch ersetzen könnte. Und so googelte ich erneut und musste feststellen, es ist so einfach, auch diese Produkte durch vegane Produkte zu ersetzen.
Seit diesem Tag ist der DM-Markt einer meiner Lieblingsgeschäfte. Dort wandern dann Körperpflegeprodukte von Alverde, Lavera oder auch Putzmittel von Denk Mit in meinen Einkaufskorb. Auch Produkte von CD mit dem Reinheitsgebotsiegel gehören inzwischen dazu. Denn auch diese Produkte sind völlig tierversuchsfrei und auch ohne tierische Inhaltsstoffe. Und mehr als die bisher benutzten Mittel kosten diese auch nicht.
Seit diesem Tag hat sich mein Leben verändert. Ich habe beim Einauf und auch beim Benutzen kein schlechtes Gewissen mehr, sondern freue mich über die tollen Düfte und daran, dass für mich kein Tier mehr leiden muss, nur weil ich mir meine Haare nicht nur mit Wasser waschen möchte.


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7.6.2016, Gießener Allgemeine
Die Verbraucher erwachen
Ulrichstein (dar). Deutschland steckt mittendrin in der Milchkrise. Während viele konventionelle Betriebe ums Überleben kämpfen, geht es Berichten zufolge den Biobauern verhältnismäßig gut. Ein Besuch.
Die Dömane Selgenhof in Ulrichstein setzt schon seit über 20 Jahren auf ökologische Landwirtschaft. In der hauseigenen Molkerei werden Frischmilch, Butter, Sahne, Joghurt und Buttermilch hergestellt. Bioprodukte sind zunehmend gefragt.

»Die Verbraucher erwachen langsam, das ist gut«, sagt Thilo Junge, der mit Ehefrau Sybille den Selgenhof seit 1994 betreibt. Bis 2015 gemeinsam mit Familie Tümmler. 300 Hektar Land und 185 Kühe zählt der Betrieb, der die Milch in der angeschlossenen Molkerei verarbeitet und zum Großteil
selbst vermarktet. Geliefert wird direkt an den Endverbraucher, aber auch an zahlreiche Supermärkte. Außerdem versorgt der Vogelsberger Ökoproduzent rund 75 Kindergärten mit seiner Milch. »Wir bekommen knapp 50 Cent pro Liter«, sagt Junge. »Das genügt, damit der Hof seine Kosten decken kann.« Im Prinzip reiche der Erlös aber nicht: »Ich kann meinen Mitarbeitern nicht die Löhne zahlen, die ich für ihre Leistung gerne zahlen würde. Die für die schwere Arbeit angemessen wären.«

»Milchkrise hausgemacht«

Die aktuelle Milchkrise hält Junge für hausgemacht. In Europa werde Milch für die Welt produziert. Exportiere man nach Russland und China, sei die Entwicklung auch von den Märkten dort abhängig. »Wenn wir uns solche Märkte erschließen, dann kann uns das auf die Füße fallen. Wir müssen auch mit Einbrüchen und Abhängigkeiten rechnen«, sagt er. »Das Erzeugungsniveau ist einfach deutlich zu hoch«, bringt er das Problem auf den Punkt. Und warum wird zu viel Milch produziert?

Die konventionelle Landwirtschaft fahre sich Futtermittel aus der ganzen Welt hierher, insbesondere Soja aus Südamerika, wo es unter nicht unproblematischen Bedingungen angebaut werde. Dort herrschten ganz andere Umwelt-, Menschen- und Arbeitsrechtsstandards als bei uns. »Mit dem billigen Soja werden Berge von Fleisch und Berge von Milch erzeugt«, erläutert Junge weiter. Die Gülle, die dabei anfalle, fahre aber keiner nach Südamerika. Die bleibe hier, sorge für ein Grundwasserproblem. Die globalen Kreisläufe liefen im Allgemeinen, aber vor allem auch in der Landwirtschaft nicht rund. »Wir produzieren Milch für einen Markt, der unsere Milch vielleicht gar nicht braucht. Wo sich die Landwirtschaft dran machen müsste, selber Milch zu erzeugen«, sagt Junge und plädiert dafür, stattdessen Know-how zu exportieren. Eine politische Reglementierung der Milchmengen in Deutschland und Europa hält er langfristig nicht für den richtigen Weg. Ein Anbau, der für den Naturgesamtkreislauf verträglicher wäre, würde das Problem lösen. Es gebe dann nicht diese Übermengen an Milch und Fleisch.

Der Ökolandbau setzt genau dort an: »Wir haben das Ziel, von unserer eigenen Fläche oder zumindest aus regionalen Wirtschaftskreisläufen zu erzeugen«, erklärt Junge. Das heißt: Weitestgehend eigene Versorgung mit Futtermitteln und anderen Bedarfsgütern sowie eigene Düngererzeugung über die Tierhaltung. Und schließlich: den Rückfluss aufs Ackerland. Darüber wird der Mehrertrag generiert. Der falle deutlich geringer aus als im konventionellen Landbau. Zum Vergleich: Eine Kuh auf dem Selgenhof produziert 6000 Liter Milch im Jahr, in konventionellen Betrieben gibt ein Tier 9000 bis 11 000 Liter in den gleichen Zeitspanne. Der Ökobauer muss aber auch Kompromisse eingehen und Futtergetreide und Stroh regional zukaufen, weil der Selgenhof keinen Ackerbau betreibt. Die Fütterung hat bei Junges allerdings einen sehr hohen Stellenwert: Neben Gras beim täglichen Weidegang bekommen die Tiere Grassilage, Heu, Futtergetreide und Bohnen. Was in den Trog kommt, habe Einfluss
auf den Geschmack der Milchprodukte.

Während die konventionellen Bauern einen Milchpreis von rund 40 Cent bräuchten, um über die Runden zu kommen, setzt Junge den Wunschpreis für die Ökobauern bei 60 bis 65 Cent an. Der Betrag sei nötig, damit sich die nachhaltige und faire Produktion weiterentwickeln könne, die mittlerweile von den Kunden auch nach und nach immer mehr gewünscht werde. Das aktuelle Preisgefüge sei ein gesellschaftlicher Ausdruck. Bislang dürften Lebensmittel nicht teuer sein. Wenn jemand nicht viel ausgeben möchte, müsse er aber auch akzeptieren, dass es Käfighaltung bei den Hühnern gibt, Massen von Schweinen, die nie die Sonne sehen, und eine Milchviehhaltung, bei der die Kühe nicht mehr auf die Weide kommen.

»Doch allmählich interessieren sich die Verbraucher erfreulicherweise immer mehr dafür, wo die Milch herkommt und zu welchen Bedingungen sie produziert wird«, sagt der Landwirt. Viele Leute, die den Vogelsberger Hof besuchen, fielen aus allen Wolken, wenn er ihnen erzähle, dass die Kälbchen nach zwei Wochen verkauft werden: »Warum bleiben sie nicht bei der Mama?«, werde gefragt. »Das umzusetzen, wäre meine persönliche erste Leidenschaft«, sagt Junge, dann bräuchte es allerdings einen deutlich höheren Milchpreis.

Kinder sensibilisieren

»Die Verbraucher müssen sich fragen, ob ihnen ein renommiertes Mineralwasser, das nur aus dem Boden plätschert und in die Flasche kommt, nicht doch ein bisschen weniger wert ist als ein Liter Milch, für den enorm viel gearbeitet werden muss«, betont der Landwirt.

Junge setzt auf Bildung: »Wir müssen in der Schule bei den Kleinen anfangen. Die Kinder dafür sensibilisieren, dass landwirtschaftliche Lebensmittelerzeugung nicht eins zu eins vergleichbar ist mit industrieller Produktion.« Landwirtschaft ticke anders. Die bewusste Entscheidung für Bioprodukte sollte nicht nur aus Gründen der gesunden Ernährung gefällt werden. Vielmehr deshalb, weil der Verbraucher möchte, dass eine Landwirtschaft praktiziert wird, die Boden, Tiere, Landschaft und Grundwasser auch für die Zukunft gesund hält.

»Eine Biomilch ist von den Inhaltsstoffen her nur wenig anders als eine konventionell erzeugte Milch«, sagt Junge. Ob sie gut schmeckt, hänge vielleicht davon ab, ob die Tiere auf die Weide gehen oder nicht. »Essen Sie ein konventionelles Brot, werden Sie nicht krank davon. Essen Sie ein Biobrot, werden sie nicht zwangsläufig gesünder, aber sie geben den Stimmzettel anders ab. Sie stimmen für eine gesunde Zukunft«, erläutert der Landwirt, der einen der rund 1860 Biobetriebe in Hessen betreibt. Dem Umweltministerium zufolge sind das elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Bundesland.

Im Zuge der Milchkrise werden immer mehr Rufe nach einer breiten Umstellung auf Ökolandbau laut. Doch auch das will genau überlegt sein. »Wenn das jetzt alle nur wegen des vermeintlich hohen Milchgelds machen, dann bricht auch der Biomarkt zusammen«, sagt Junge, der die hauseigene Molkerei für die Zukunft gerne vergrößern würde. »Denn unsere Räume reichen für eine Erweiterung des Sortiments nicht mehr aus«, sagt der Landwirt, der sich ganz bewusst und mit ganzem Herzen für die Ökolandwirtschaft entschieden hat. Und das schon vor über 20 Jahren.

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